Wo warst du denn so lang?

Wo warst du denn so lang?

Hallo ihr Lieben,

die letzten Monate waren aufregend, intensiv, von Zweifeln geplagt und auch nicht immer einfach. Ich habe an zwei Projekten gleichzeitig gearbeitet, um irgendwann zu bemerken, dass es nicht funktioniert. Habe stundenlang auf leere Seiten gestarrt, Worte getippt und wieder gelöscht, habe den Kopf in meinem Kissen vergraben… Habe nachgedacht.

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Und mein Entschluss? Ein Neuanfang. Ich habe sowohl meinen Psychothriller, als auch mein Alter Ego Projekt neu begonnen. Wenn ich sage „neu begonnen“, meine ich übrigens wirklich neu begonnen … zumindest bei meinem Psychothriller. Dort habe ich lediglich die Grundidee genommen und ansonsten alles umgeworfen: neue Charaktere, eine andere Erzählperspektive, neuer Handlungsort …Ich habe ein völlig neues Dokument geöffnet und nochmal angefangen. Bei meinem Alter Ego Projekt ist dagegen ein Großteil gleichgeblieben. Hier schreibe ich „nur“ den ersten Teil des Buches neu. Diese Entscheidungen sind mir alles andere als leicht gefallen. Vielleicht war ich deswegen teilweise auch so inaktiv, denn was sollte ich euch auch berichten? Hin und wieder habe ich mal anklingen lassen, dass ich etwas ändern muss, aber so wirklich mit der Sprache herausgerückt bin ich nicht. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Prozess hier mit euch teile, oder nicht? Doch irgendwie habe ich mich nun dazu entschlossen es zu tun, denn vielleicht erkennt sich ja auch jemand von euch in meinen Worten wieder. Mir folgen auf Instagram viele Autoren und Menschen, die es gerne werden wollen. Oft kriege ich von euch Nachrichten, wie ich all das mache, wie ich in so kurzer Zeit soviel schreiben kann etc. und deswegen ist es meiner Meinung nach nur fair, wenn ihr auch mitbekommt, dass eben nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen ist und das ich nicht jeden Tag 365 Tage im Jahr 5000 Wörter + schreibe.

Dass auch ich Wochen oder sogar Monate habe, wo ich auf der Stelle trete und nichts wirklich hinbekomme, obwohl ich die ganze Zeit etwas mache. Nun wird der ein oder andere sagen „Schreibblockade!“ – Nein. Ja. Nein. Vielleicht.

Mittlerweile denke ich es war eine. Irgendwie. Auch wenn ich eigentlich nicht an sowas glaube, doch ich glaube daran, dass man gehemmt ist, wenn man eben nicht 100% dabei ist und das hat meistens einen Grund. Und zugegeben, die letzten Monate habe ich nichts wirklich etwas gemacht, außer herauszufinden was dieser Grund ist. Und als ich diesen dann gefunden hatte, habe ich nach einer Lösung gesucht.

Tja und so sieht sie aus: Ich habe zwei Projekte eigentlich fast oder bereits fertig gehabt und habe beide noch einmal komplett neu angefangen. Und das ist wirklich absolut okay und super, denn so fühlt es sich einfach richtig an. Und das ist das, was zählt. Dass es sich für einen selbst richtig anfühlt. Ich habe so lange überlegt, warum ich nicht mehr zufrieden bin mit dem, was ich da schreibe… Was mich stört … Natürlich haben kreative Menschen immer Zweifel im Bezug auf ihre Projekte und das ist normal. Aber ich spreche hier nicht über normale Zweifel. Ich spreche hier über dieses flaue Gefühl, das einfach nicht weggeht. Dieses „irgendwas- stört-mich-aber-ich-weiß-nicht-was“-Gefühl. Ich hatte den Eindruck meinem eigenen Anspruch nicht gerecht zu werden und ich wusste nicht warum. Und dann irgendwann sah ich auf dieses Dokument und erkannte den Fehler. Bei meinem Alter Ego Projekt hat es ganze 1 ½ Jahre gedauert, bis ich gesehen habe, was mich so daran stört. 1 ½ Jahre, die ich immer wieder versucht habe zu lieben was ich da kreiert hatte, aber es gelang mir nicht. Doch mittlerweile weiß ich es und eigentlich ist es nicht mal eine große Sache. Es ist ein kleines Detail, aber macht eben doch einen großen Unterschied. Und nun bin ich seit einigen Wochen wieder voll drin. Und liebe das was ich tue und liebe das Projekt! Ich musste erst einmal für mich herausfinden was los ist, bevor ich es auf Instagram platt trete und mit euch teile. Ich habe versucht das Problem mit Überarbeiten zu lösen, so wie alle Autoren das tun. Aber nach gut zwei Wochen intensiver Arbeit habe ich dann bemerkt, dass auch das nicht reicht, das sich manche Probleme so nicht lösen lassen, zumindest nicht für mich. Ich muss manchmal das Dokument schließen, ein Neues öffnen und nochmal bei 0 anfangen.

Und genau das habe ich getan. Und seither bin ich wieder da, wo ich früher war. Und wache jeden Morgen um fünf auf und kann es kaum erwarten vor meinen Rechner zu springen (Auch wenn ich dabei so müde bin, dass ich vergesse die Kaffeetasse unter den Automaten zu stellen).

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Und vielleicht gehört es bei mir auch einfach dazu alles neu zu machen. (Manch einer von euch weiß vielleicht, dass ich „Kontaminiert“ damals auch nochmal komplett neu geschrieben habe). Vielleicht ist es für mich Teil des Schreibprozesses. Vielleicht gehört es dazu, dass ich nach der Hälfte noch einmal alles umwerfe, dass ich erst herausfinde, was eigentlich erschaffen will, wenn es irgendwie schon fast fertig ist. Aber um zu dieser Erkenntnis zu kommen, brauchte ich einfach etwas Zeit für mich. Denn da ist ohnehin schon dieser Druck von außen und der den man sich selbst macht. Ich meine, wenn wir ehrlich sind, hat man ja auch diese Vorstellung. Man denkt ein Buch neu anzufangen wäre komisch. Eigentlich sollte es reichen die Rohfassung zu überarbeiten. Ist es nicht eigentlich ein Zeugnis des Totalversagens, wenn man etwas nochmal komplett neu anfangen muss? Ich meine, wozu hat man es dann überhaupt geschrieben?

All das waren Gedanken die mich beschäftigt haben, aber wisst ihr was? So ist das einfach nicht.

Es ist kein Zeugnis des Totalversagens, sondern ein Prozess.

Ich bin in meinem Schreiben immer sehr schnell. 5000 Wörter gehen locker von der Hand, wenn ich mehr als drei Stunden Zeit habe, aber vielleicht ist genau das das Problem. Bei mir geht immer alles Ruck Zuck, aber das nimmt mir natürlich auch die Zeit der Reife. Und so fallen einem kleinere oder größere Probleme erst auf, wenn es zu spät ist. Und das bedeutet dann meist die Uhren auf Null drehen. Aber mittlerweile habe ich das für mich akzeptiert. Ich werde nicht weniger Schreiben, werde mich aber auch nicht zwingen 5000 Wörter am Tag abzuliefern. Ich schreibe jeden Tag kontinuierlich soviel, wie ich eben will und wenn ich am Ende der Meinung bin, ich müsste nochmal von vorne anfangen, dann ist das eben so. Und ich denke, das ist mein Weg. So entstehen meine Bücher. Und ich liebe es. Und wenn es euch auch so geht, dann tut euch keinen Zwang an. Niemand sagt, dass eine Rohfassung perfekt ist. Überarbeitet. Streicht Kapitel. Macht was auch immer ihr lustig seid, denn es gibt keinen geraden Weg. Keinen Zwang. Ihr könnte dieses Buch schreiben, wie ihr es wollt. Nehmt den Druck von euren Schultern, den ihr euch selbst auferlegt und glaubt mir: Es gibt keine Blockade mehr.

Punkt.

Aus.

Ende.